Voller Leben | Volker Mittmann | R.SH Radiomoderator | Bei Mittmann mach ich Mitt, Mann.

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Voller Leben

Ich war noch nie im Krankenhaus! Nicht einmal bei meiner Geburt. Ich war - für damalige Zeit sehr ungewöhnlich – eine Hausgeburt, ganz genau in der Großen Alten Fähre Nr. 8 in Lübeck. Dieses Gebäude fristet allerdings ein viel zu unscheinbares Dasein in der Hansestadt.

Meiner Oma war der Umstand einer Hausgeburt übrigens so peinlich, dass sie in ihrem Freundeskreis in Bielefeld stets erzählte, ich sei im Heiligengeist-Hospital zur Welt gekommen. Lübecker werden wissen, wie viel Unsinn diese Aussage eigentlich beinhaltet.

Später ging es mit meiner Familie über die Dörfer, schließlich sollte ich meine Phobie vor hohem Gras und allen Tieren verlieren. Selbst der Anblick eines kleinen Lammes brachte mich damals noch zum Schreien. So wohnten meine Familie und ich zum Beispiel in Siblin bei Ahrensbök in einem wunderschönen alten Bauernhaus. Meine Hobbys waren damals „Schlafwandeln“ und „Bettnässen“. Ganz ehrlich: Ich war ein echt total merkwürdiges Kind mit einer ganzen Reihe von Macken. Ich danke Mama und Papa, dass sie mich nicht wieder zurück gegeben haben.

Trotzdem entwickelte ich schon als Grundschüler die Leidenschaft zu reden, kommentieren und mich selber darzustellen. Unvergesslich meine Reportagen über das berühmte „Radrennen rundum Siblin“. Ich war einziger Teilnehmer, Zuschauer und Radsportexperte in einer Person. Als wir dann nach Sarau und später nach Hutzfeld bei Bosau am Plöner See zogen, spielte ich auch mehr oder weniger erfolglos Fußball in der Jugend. Mein „Freund Clausi“ war eben nicht nur in der Schule besser. Pech für ihn: Alle Fußballstadien der Bundesliga und nicht nur das berühmte „Camp Nou“ in Barcelona durfte er viele Jahre später nicht als Profi betreten. Aber ich!  Am Mikrofon von R.SH.

Auf der Weberschule in Eutin war ich eher durchschnittlich begabt aber schlagfertig. Meine Spezialität: Sich so oft wie möglich zu melden, damit die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird, die Antwort sagen zu müssen, die man eh nicht weiß. Am schlimmsten waren Latein, Physik, Chemie und alle anderen Fächer. In Sport gab es für mich immer nur die Siegerurkunde. Frei übersetzt: Durchschnitt. Trotzdem fuhr ich gute 15 Jahre später zu  vier Olympischen Spielen. Als Reporter. Und obwohl ich noch heute keine blassen Schimmer vom Regelwerk habe, wurde ich mit dem THW-Kiel gleich viermal Deutscher Handball-Meister: Stimmung und Tendenzen statt Fachchinesisch und Floskeln.

Weil ich als Elfjähriger mal auf einem Polizei-Motorrad gesessen habe, wuchs schon früh in mir der Wunsch für Recht und Ordnung zu sorgen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung verließ ich also das Gymnasium nach der elften Klasse und begann eine Ausbildung als PHW z.A.!

Das heisst Polizeihauptwachtmeister zur Anstellung und ist ein Dienstgrad, den es heute schon gar nicht mehr gibt. Es war eine sensationell schöne und prägende Zeit. Ich trug sogar einen Schnauzbart. Tolle Kollegen, eine harte Ausbildung und aufregende Einsätze, noch heute träume ich von dieser Zeit. Zurück würde ich dennoch nicht mehr wollen und können.

1990 bewarb ich mich dann mit einer Kassette bei einem Moderatorenwettbewerb von R.SH.

Der Rest ist bekannt und unter vielen anderen Rubriken nachzulesen. Ich will und wollte an dieser Stelle ja über Privates plaudern: Ich habe zwei Schwestern: Eine ältere und eine jüngere. Die eine mit dem schlausten Kopf nördlich von Kappeln, die andere mit dem größten Herz südlich von Stockelsdorf. Meine Eltern sind irgendwann nach Lübeck zurückgezogen, „back to the roots“. Ein Wunsch, der mir verwehrt bleiben wird. Ich habe mein Glück in der Nähe von Kiel  gefunden. Mit den zwei größten Schätzen der Welt.

 
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